Kalender voll. Team ausgelastet. Und am Monatsende bleibt trotzdem kaum etwas übrig?
Dann lohnt sich ein Blick auf deinen Minutenpreis im Friseursalon. Viele Salons sind jeden Tag bis zum Rand gefüllt und verdienen an einzelnen Terminen trotzdem nichts, manchmal sogar weniger als nichts. Der Grund ist selten Pech oder fehlender Einsatz, sondern eine Zahl, die kaum jemand kennt.
In diesem Artikel rechne ich dir an einem Beispielsalon vor, was jede Minute am Kunden kostet, warum ein Haarschnitt für 39 € trotzdem ein Minus bringen kann, wie du deinen eigenen Minutenpreis berechnest und was du mit dem Ergebnis anfängst.
DAS BEISPIEL: 85 CENT PRO MINUTE UND EIN HAARSCHNITT, DER KOSTEN VERURSACHT
In unserem Beispielsalon kostet jede Minute am Kunden 85 Cent. Dabei sind das nur die Kosten, noch ohne Gewinn.
Ein Haarschnitt dauert 45 Minuten. Auf der Preisliste stehen dagegen 39 €. So sieht die Rechnung aus:
| Position | Betrag |
| Kosten pro Minute am Kunden | 0,85 € |
| Dauer des Haarschnitts | 45 Minuten |
| Kosten des Termins | 38,25 € |
| Preis auf der Preisliste (brutto) | 39,00 € |
| Abzug 19 % Mehrwertsteuer | 6,23 € |
| Bleibt netto im Salon | 32,77 € |
| Ergebnis pro Kundin | minus 5,48 € |
Der Termin kostet den Salon 38,25 €. Nach Abzug der Mehrwertsteuer bleiben davon jedoch nur 32,77 €. Jede Kundin bringt also gut 5 € Verlust. Und dabei ist noch kein einziger Euro Gewinn und keine Rücklage eingeplant.
JE VOLLER DER KALENDER, DESTO GRÖSSER DAS MINUS
Solange der Preis unter dem Minutenpreis liegt, vergrößert jede zusätzliche Kundin die Lücke. Mehr Termine zum selben Preis bedeuten also mehr Arbeit für ein größeres Minus. Genau deshalb fühlt sich ein voller Kalender manchmal so seltsam an: Alles läuft, aber am Ende kommt nichts an.
Damit du siehst, was das für deine Preisliste bedeutet, hier derselbe Beispielsalon mit verschiedenen Terminlängen. Die Tabelle zeigt, wie hoch der Preis mindestens sein müsste, damit der Salon nur seine Kosten deckt, also noch ohne Gewinn:
| Dauer | Kosten bei 0,85 € pro Minute | Mindestpreis brutto, nur zur Kostendeckung |
| 30 Minuten | 25,50 € | 30,35 € |
| 45 Minuten | 38,25 € | 45,52 € |
| 60 Minuten | 51,00 € | 60,69 € |
| 90 Minuten | 76,50 € | 91,04 € |
| 120 Minuten | 102,00 € | 121,38 € |
Der Haarschnitt müsste im Beispielsalon also mindestens 45,52 € kosten, um bei null herauszukommen. Wer Gewinn und Rücklagen will, muss daher noch etwas daraufschlagen. Auf der Preisliste stehen 39 €.
WARUM SCHÄTZEN IM SALON TEUER WIRD
Die meisten Salons kennen ihren Minutenpreis nicht. Stattdessen schätzen sie. Oder sie schauen, was der Salon nebenan nimmt.
Aber kennst du die Kosten deiner Mitbewerber, also Miete, Löhne und Auslastung? Eben nicht. Wer sich nämlich an Preisen anderer orientiert, übernimmt einen Preis, der auf fremden Zahlen beruht, und zahlt mit seinem eigenen Geld drauf.
Ein Salon, der eine günstige Miete und ein eingespieltes, voll ausgelastetes Team hat, kann denselben Preis vielleicht tragen. Dein Salon mit anderen Kosten kann es unter Umständen nicht. Der Preis des Nachbarn ist deshalb keine Antwort, sondern höchstens eine Frage.
Wie du deine Preise Schritt für Schritt kalkulierst, zeigen wir in unserem Beitrag Preiskalkulation im Friseursalon.
SO RECHNEST DU DEINEN MINUTENPREIS AUS
Die Rechnung ist einfacher, als sie klingt. Dafür brauchst du deine letzte BWA oder deinen Jahresabschluss und etwa eine Stunde Zeit:
- Alle Kosten eines Jahres zusammentragen. Löhne inklusive Lohnnebenkosten, Miete und Nebenkosten, Energie, Material, Versicherungen, Weiterbildung, Marketing, Abschreibungen, Software und Steuerberater. Wenn du selbst im Salon arbeitest, gehört auch ein marktüblicher Lohn für dich dazu, sonst rechnest du dir den Minutenpreis schön.
- Die verkaufbaren Minuten bestimmen. Gemeint ist nur die Zeit am Kunden, nicht die Anwesenheitszeit. Pausen, Leerlauf, Aufräumen, Telefonate und Fortbildung zählen nicht. Die Rechnung lautet: produktive Mitarbeitende mal Arbeitstage mal Stunden am Kunden pro Tag mal 60.
- Jahreskosten geteilt durch verkaufbare Minuten ergibt deinen Minutenpreis.
- Kosten je Leistung ausrechnen. Dauer der Leistung mal Minutenpreis. Achte darauf, jede Kostenart nur einmal zu erfassen: entweder im Minutenpreis oder direkt bei der Leistung.
- Gewinn und Mehrwertsteuer aufschlagen. Erst dann hast du einen Preis, der den Salon trägt und nicht nur kostet.
Wie stark die Auslastung den Minutenpreis beeinflusst, zeigt dieses frei gewählte Zahlenbeispiel mit 255.000 € Jahreskosten. Es ist kein Branchendurchschnitt, sondern dient nur der Veranschaulichung:
| Verkaufbare Minuten im Jahr | Minutenpreis bei 255.000 € Jahreskosten |
| 270.000 | 0,94 € |
| 300.000 | 0,85 € |
| 330.000 | 0,77 € |
Das ist der wichtigste Zusammenhang hinter der ganzen Rechnung: Der Minutenpreis ist kein fester Wert. Je mehr verkaufbare Minuten tatsächlich am Kunden stattfinden, desto stärker verteilen sich deine Fixkosten und desto niedriger wird er. Deshalb gehören Preis und Auslastung immer zusammen betrachtet.
WAS DU MIT DEINEM MINUTENPREIS TUN KANNST
Sobald du die Zahl kennst, hast du vier Hebel in der Hand:
- Preis: Leistungen, deren Preis unter dem Mindestpreis liegt, gezielt anpassen, statt alles pauschal zu erhöhen. Wie du das kommunizierst, ohne gute Stammkunden zu verlieren, zeigen wir in unserem Beitrag Preiserhöhung im Friseursalon.
- Auslastung: Mehr verkaufbare Minuten senken den Minutenpreis. Vorausbuchung und gut gefüllte Kernzeiten sind dafür der wirksamste Weg.
- Zeit: Leistungen, die länger dauern, als sie kalkuliert sind, kosten dich Geld, auch wenn der Preis auf dem Papier stimmt.
- Kosten: Ein Blick in die BWA zeigt, welche Kostenart schneller gewachsen ist als dein Umsatz.
Warum bei vielen Salons trotz vollem Kalender wenig übrig bleibt, liest du auch in unserem Beitrag Gewinn im Friseursalon.
DER RICHTIGE PREIS TRÄGT DEINEN SALON
Ein voller Kalender allein trägt deinen Salon nicht. Der richtige Preis schon. Er deckt deine Kosten und schafft Rücklagen für das, was kommt: eine neue Maschine, eine Mietanpassung, ein ruhigerer Monat oder die Investition in dein Team.
Wer seinen Minutenpreis kennt, muss nicht mehr schätzen. Er weiß, welche Leistung sich lohnt, welche nachgebessert werden muss und wo der nächste Euro Gewinn tatsächlich herkommt.
DEIN NÄCHSTER SCHRITT
Willst du weiter schätzen oder es endlich wissen? Ein Preis, der auf Bauchgefühl oder auf den Zahlen des Nachbarn beruht, kostet dich jeden Monat Geld, das du nicht siehst. Ein berechneter Preis zeigt dir genau, wo du stehst.
Als BAFA gelistete Berater begleiten wir bei Concivitas Consult seit über 30 Jahren Friseurunternehmer:innen dabei, genau diese Klarheit zu gewinnen. Alwin rechnet deinen Minutenpreis gemeinsam mit dir aus.
Buche jetzt dein kostenfreies Erstgespräch oder schreib uns direkt an briefkasten@concivitas.de.
FAQ - MINUTENPREIS IM FRISEURSALON
WAS IST DER MINUTENPREIS IM FRISEURSALON?
Der Minutenpreis gibt an, was dich jede Minute am Kunden kostet. Er entsteht, indem du alle Jahreskosten deines Salons durch die Zahl der tatsächlich verkaufbaren Minuten teilst. Gewinn und Rücklagen sind darin noch nicht enthalten.
WIE BERECHNE ICH MEINEN MINUTENPREIS?
Du teilst deine gesamten Jahreskosten durch die verkaufbaren Minuten am Kunden. Die Kosten findest du in deiner BWA oder im Jahresabschluss, die verkaufbaren Minuten errechnest du aus der Zahl der produktiven Mitarbeitenden, den Arbeitstagen und den Stunden, die tatsächlich am Kunden stattfinden.
WAS GEHÖRT IN DIE KOSTEN FÜR DEN MINUTENPREIS?
Löhne inklusive Lohnnebenkosten, Miete und Nebenkosten, Energie, Material, Versicherungen, Weiterbildung, Marketing, Abschreibungen, Software und Steuerberater. Arbeitest du selbst im Salon, gehört außerdem ein marktüblicher Lohn für dich dazu.
WARUM REICHT EIN VOLLER KALENDER NICHT FÜR GEWINN?
Weil Auslastung nur zeigt, wie viel in deinem Salon passiert, nicht wie viel davon übrig bleibt. Liegt der Preis einer Leistung unter dem, was sie kostet, wächst das Minus mit jedem zusätzlichen Termin.
WIE RECHNE ICH DIE MEHRWERTSTEUER IN MEINEN PREIS EIN?
Du teilst den Bruttopreis durch 1,19, um den Nettobetrag zu erhalten. Aus 39 € werden so 32,77 €. Umgekehrt multiplizierst du den Nettopreis mit 1,19, um den Bruttopreis zu berechnen. Wenn du als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer ausweist, entfällt dieser Schritt. Welche Regelung für dich gilt, klärst du mit deinem Steuerberater.
WIE VIEL GEWINN MUSS ICH AUF DEN MINUTENPREIS AUFSCHLAGEN?
Das hängt von deinem Ziel ab. Als Orientierung: Salons in der Umsatzklasse von 250.000 bis 500.000 € erreichen laut Sparkassen-Branchenreport eine Umsatzrentabilität von 20 bis 22 %. Entscheidend ist, dass Gewinn und Rücklagen bewusst im Preis stehen und nicht dem Zufall überlassen werden.
SINKT DER MINUTENPREIS, WENN MEHR LOS IST?
Ja. Bei höherer Auslastung verteilen sich deine Fixkosten auf mehr Minuten, der Minutenpreis sinkt. Er ist deshalb immer für einen bestimmten Auslastungsgrad berechnet. Rechne ihn regelmäßig neu, vor allem wenn sich Team, Miete oder Auslastung verändern.
SOLL ICH MEINE PREISE AN DEN MITBEWERBERN AUSRICHTEN?
Nur als Vergleich, nicht als Grundlage. Du kennst weder Miete noch Löhne noch Auslastung der anderen. Ein Preis, der auf fremden Zahlen beruht, kann für deinen Salon zu niedrig sein, ohne dass du es merkst.
WAS KOSTET EINE BERATUNG, UND GIBT ES FÖRDERMITTEL?
Die BAFA fördert Unternehmensberatung mit einem Zuschuss von 50 bis 80 % der Beratungskosten, je nach Bundesland, bei einer Bemessungsgrundlage von maximal 3.500 €. Das entspricht einem Zuschuss von 1.750 € bis 2.800 € pro Beratung.




