Da ist er: der perfekte Song für dein Reel. Gerade im Trend, passt perfekt zum Video und Instagram zeigt ihn dir sogar direkt in der Musikbibliothek an. Also auswählen, Reel veröffentlichen, fertig.

Oder?

Leider ist es nicht ganz so einfach. Denn nur weil Instagram dir einen Song anzeigt, bedeutet das nicht automatisch, dass du ihn für deinen Friseursalon auch gewerblich nutzen darfst.

Und genau hier kann aus einem 15-Sekunden-Reel plötzlich ein ziemlich teures Problem werden. Deshalb solltest du als Friseurunternehmer einen Unterschied unbedingt kennen:

Musik auf Instagram verfügbar ≠ Musik für dein Unternehmen automatisch erlaubt.

WARUM DAS THEMA INSTAGRAM-MUSIK FÜR FRISEURSALONS SO WICHTIG IST

Musik gehört zu Instagram. Gerade bei Reels. Vorher-Nachher, Balayage, neuer Schnitt, Teamvideo, Salonalltag oder Trend-Reel – Song drauf und fertig.

Das Problem dabei: Dein Salonaccount ist kein privates Instagram-Tagebuch. Du nutzt Instagram für dein Unternehmen. Du möchtest sichtbar werden, deinen Salon präsentieren, deine Leistungen zeigen, Follower gewinnen und im besten Fall aus diesen Menschen irgendwann Kunden machen.

Und damit befinden wir uns sehr schnell im geschäftlichen beziehungsweise kommerziellen Bereich.

Die GEMA weist darauf hin, dass die Instagram-Musikbibliothek grundsätzlich für private, nicht-kommerzielle Inhalte gedacht ist. Für eine kommerzielle Nutzung müssen die entsprechenden Rechte vorhanden sein. Dabei sollte man sich nicht allein auf den gewählten Account-Typ verlassen.

Nicht Business, Creator oder Privat entscheidet allein darüber, ob dein Content geschäftlich ist. Entscheidend ist auch, wofür du den Inhalt verwendest.

ABER INSTAGRAM BIETET MIR DEN SONG DOCH AN

Genau das macht die Sache so verwirrend. Du öffnest Instagram, erstellst dein Reel, klickst auf Musik und der Song ist da.

Was liegt näher als zu denken: „Wenn Instagram ihn mir anbietet, darf ich ihn doch wohl verwenden.“

Darauf solltest du dich als Unternehmen nicht verlassen.

Meta erklärt selbst, dass die Musik aus seiner lizenzierten Musikbibliothek für persönliche und nicht-kommerzielle Nutzung vorgesehen ist. Um kommerzielle Nutzung einzuschränken, haben bestimmte Business-Accounts und bestimmte Beitragsarten deshalb keinen oder nur eingeschränkten Zugriff auf diese Bibliothek.

Das Entscheidende ist also nicht: „Kann ich den Song anklicken?“

Sondern: „Habe ich die erforderlichen Rechte, diesen Song für genau diesen geschäftlichen Inhalt zu verwenden?“

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

BUSINESS-ACCOUNT, CREATOR-ACCOUNT ODER PRIVATER ACCOUNT: MACHT DAS EINEN UNTERSCHIED?

Ja – aber nicht so simpel, wie es häufig dargestellt wird. Ein Business-Account kann bei Instagram einen anderen beziehungsweise eingeschränkten Zugriff auf Musik haben. Meta begründet diese Einschränkung damit, dass die lizenzierte Musikbibliothek nicht für kommerzielle Zwecke gedacht ist.

Daraus sollte aber nicht der Umkehrschluss entstehen: „Dann stelle ich meinen Salon einfach auf Creator um und darf wieder alle Songs verwenden.“

Auch das löst das eigentliche Problem nicht. Wenn der Inhalt geschäftlichen Zwecken dient, wird er nicht dadurch privat, dass über dem Account „Creator“ statt „Business“ steht.

Ein Accountwechsel ist deshalb kein Urheberrechts-Trick.

WELCHE MUSIK DARF EIN FRISEURSALON AUF INSTAGRAM VERWENDEN?

Jetzt kommen wir zu dem Teil, der für dich wirklich interessant ist.

Eine von Meta ausdrücklich vorgesehene Möglichkeit ist die Meta Sound Collection. Meta beschreibt sie als Sammlung von Musik und Sounds, die für Reels und Instagram Stories verwendet werden können. Nach Angaben von Meta können Inhalte aus der Sound Collection auch für kommerzielle Zwecke wie Werbung eingesetzt werden.

Daneben kannst du natürlich auch Musik verwenden, für die du selbst entsprechende Nutzungsrechte erworben hast.

Aber auch dabei gilt: Lizenzfreie Musik bedeutet nicht automatisch: Ich darf damit machen, was ich will.

Wenn du Musik über einen externen Anbieter lizenzierst, musst du prüfen, was dessen Lizenz tatsächlich umfasst. Darfst du die Musik auf Social Media einsetzen? Gilt die Lizenz für eine gewerbliche Nutzung? Für Instagram und Facebook? Nur für organische Beiträge oder auch für bezahlte Werbung? Und darf das Video anschließend auch auf anderen Plattformen verwendet werden?

Die Lizenzbedingungen sind entscheidend.

UND WAS IST MIT „ROYALTY FREE“ ODER „RF“ BEI INSTAGRAM?

Vielleicht hast du schon einmal den Tipp gehört, bei Instagram auf „RF“ beziehungsweise „Royalty Free“ zu achten.

Hier würden wir uns nicht blind auf irgendein Kürzel verlassen. Denn die Instagram-Oberfläche kann sich verändern, Funktionen können je nach Account oder Region unterschiedlich angezeigt werden und letztlich entscheidet nicht irgendeine Kennzeichnung allein darüber, welche Nutzungsrechte du besitzt.

Verlässlicher ist eine einfache Regel:

Nutze Musik aus einer Quelle, bei der die kommerzielle Nutzung für deinen konkreten Zweck ausdrücklich abgedeckt ist.

Und prüfe im Zweifel die aktuellen Lizenzbedingungen.

UND WAS IST MIT DEN GANZEN TRENDSONGS?

Das ist wahrscheinlich die Antwort, die niemand hören möchte.

Der bekannte Song, der gerade unter jedem zweiten Reel liegt, ist nicht automatisch für deinen Salon freigegeben.

Auch nicht, weil andere Friseursalons ihn verwenden. Auch nicht, weil ein großer Unternehmensaccount ihn verwendet. Und auch nicht, weil dein Mitbewerber seit drei Jahren damit durchkommt.

„Die anderen machen es auch“ ist keine Lizenz.

Natürlich ist das für Social Media manchmal nervig. Denn Trends funktionieren häufig gerade deshalb, weil Bild, Bewegung und ein bestimmter Song zusammenspielen.

Aber als Unternehmer solltest du dich trotzdem fragen: Ist mir dieser eine Trendsong das Risiko wert?

Ein Reel ist nach ein paar Tagen möglicherweise vergessen. Eine rechtliche Auseinandersetzung unter Umständen nicht.

„ORIGINAL AUDIO“ HEISST NICHT AUTOMATISCH, DASS DU ES VERWENDEN DARFST

Noch eine Falle: Du findest ein Reel und darunter steht „Original Audio“. Perfekt, denkst du. Dann ist es ja kein geschützter Song.

Vorsicht.

„Original Audio“ ist zunächst eine Bezeichnung innerhalb Instagrams und kein Nachweis darüber, dass das Audio frei von Rechten Dritter ist oder für deine kommerzielle Nutzung freigegeben wurde.

Jemand kann schließlich auch geschützte Musik in ein Video integriert oder einen Ausschnitt hochgeladen haben.

Deshalb solltest du auch hier nicht allein aufgrund der Bezeichnung davon ausgehen, dass eine gewerbliche Nutzung erlaubt ist.

KANN ICH EIN REEL MIT MUSIK AUCH AUF TIKTOK, YOUTUBE ODER MEINER WEBSITE VERWENDEN?

Auch hier wird es wichtig. Nur weil du für einen Song Nutzungsrechte innerhalb eines bestimmten Angebots oder einer bestimmten Plattform hast, bedeutet das nicht automatisch, dass diese Rechte überall gelten.

Ein Reel herunterladen und anschließend dasselbe Video inklusive Musik auf TikTok, YouTube, deiner Website oder einer anderen Plattform veröffentlichen?

Vorher die Lizenz prüfen.

Musikrechte können an bestimmte Plattformen, Nutzungsarten oder Verwendungszwecke gebunden sein. Deshalb denken wir bei Social Media nicht nur:

„Welcher Song passt zum Reel?“

Sondern auch: „Wo wollen wir dieses Video anschließend noch verwenden?“

Das ist vielleicht weniger sexy. Aber deutlich unternehmerischer.

ABER OHNE TRENDMUSIK BEKOMME ICH DOCH KEINE REICHWEITE

Dann stellen wir einmal eine etwas unbequeme Frage: Wenn dein Reel nur funktioniert, weil darunter gerade ein bekannter Song läuft wie gut ist dann eigentlich dein Content?

Musik kann einen Inhalt unterstützen. Sie kann Stimmung erzeugen, Tempo geben und Emotionen verstärken.

Aber sie ersetzt keine Idee. Keine gute Hook. Keine Geschichte. Kein Gesicht. Keine Meinung. Und vor allem keinen Grund, warum sich ein potenzieller Kunde ausgerechnet deinen Salon merken sollte.

Vielleicht zwingt uns das Thema Musikrechte sogar zu etwas, das Instagram ohnehin dringend gebrauchen könnte: Wieder ein bisschen mehr eigene Ideen.

UNSERE EINFACHE REGEL FÜR FRISEURSALONS

Bevor du das nächste Reel veröffentlichst, stell dir bei der Musik nicht nur die Frage:

„Passt der Song?“

Sondern: „Darf ich ihn für diesen Zweck verwenden?“

Wenn du das nicht sicher beantworten kannst, lass ihn lieber weg oder greife auf Musik zurück, deren kommerzielle Nutzung für deinen Zweck eindeutig geregelt ist.

Für Instagram und Facebook ist die Meta Sound Collection dafür eine wichtige Anlaufstelle. Wenn du Musik extern lizenzierst, solltest du die Lizenzbedingungen prüfen und den entsprechenden Nachweis aufbewahren.

Denn: „Ich dachte, ich darf das“ ist im Zweifel keine besonders gute Unternehmensstrategie.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Lizenzbedingungen und Plattformregeln können sich ändern. Prüfe deshalb vor der Verwendung von Musik die jeweils aktuellen Bedingungen und hole bei rechtlichen Fragen fachkundigen Rat ein.

FAQ: ZU MUSIK AUF INSTAGRAM FÜR UNTERNEHMEN

WELCHE MUSIK DARF ICH AUF INSTAGRAM GEWERBLICH NUTZEN?

Als Unternehmen solltest du Musik verwenden, für die die erforderlichen Nutzungsrechte für deinen konkreten Einsatzzweck bestehen. Eine Möglichkeit innerhalb der Meta-Plattformen ist die Meta Sound Collection. Meta stellt diese als Alternative zur normalen lizenzierten Musikbibliothek bereit und gibt an, dass die dort enthaltene Musik und Sounds auch für kommerzielle Zwecke wie Werbung verwendet werden können.

Bei Musik von externen Anbietern solltest du prüfen, ob die jeweilige Lizenz die gewerbliche Nutzung auf Social Media tatsächlich abdeckt.

DARF EIN FRISEURSALON TRENDSONGS AUF INSTAGRAM VERWENDEN?

Nicht automatisch. Die normale lizenzierte Instagram-Musikbibliothek ist laut Meta für persönliche, nicht-kommerzielle Nutzung vorgesehen. Bei geschäftlichen Inhalten sollte deshalb geklärt sein, ob die erforderlichen Nutzungsrechte für den jeweiligen Song und die konkrete Verwendung bestehen.

DARF ICH EINEN SONG VERWENDEN, WENN INSTAGRAM IHN MIR ANZEIGT?

Die bloße Verfügbarkeit eines Songs in Instagram solltest du nicht als Nachweis dafür verstehen, dass du ihn für jeden kommerziellen Zweck nutzen darfst.

Entscheidend sind die jeweiligen Nutzungsrechte und die konkrete Art der Verwendung.

DARF ICH MIT EINEM CREATOR-ACCOUNT TRENDMUSIK GEWERBLICH NUTZEN?

Ein Creator-Account macht einen kommerziellen Inhalt nicht automatisch zu einem privaten Inhalt.

Entscheidend ist deshalb nicht nur die Bezeichnung des Accounts, sondern auch, zu welchem Zweck der Content veröffentlicht wird und welche Nutzungsrechte für die verwendete Musik bestehen.

IST DIE META SOUND COLLECTION FÜR UNTERNEHMEN NUTZBAR?

Meta stellt die Sound Collection als Alternative zur lizenzierten Musikbibliothek zur Verfügung und gibt an, dass deren Musik und Sounds auch für kommerzielle Zwecke wie Werbung eingesetzt werden können.

Trotzdem solltest du bei der Nutzung immer die aktuell geltenden Bedingungen von Meta berücksichtigen.

DARF ICH MUSIK AUS DER META SOUND COLLECTION AUCH AUF ANDEREN PLATTFORMEN VERWENDEN?

Das solltest du nicht automatisch annehmen.

Nutzungsrechte können plattform- und zweckgebunden sein. Prüfe deshalb die jeweils geltenden Bedingungen, bevor du denselben Inhalt inklusive Musik beispielsweise auf TikTok, YouTube oder deiner Website verwendest.

WAS PASSIERT, WENN ICH URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZTE MUSIK GEWERBLICH NUTZE?

Eine nicht ausreichend lizenzierte kommerzielle Nutzung kann rechtliche und finanzielle Konsequenzen haben. Welche Ansprüche im konkreten Fall entstehen können, hängt von der jeweiligen Nutzung und den bestehenden Rechten ab.

Bei Unsicherheit sollte deshalb fachkundiger rechtlicher Rat eingeholt werden.

DER SONG IST NUR 15 SEKUNDEN LANG. DEIN UNTERNEHMEN NICHT.

Vielleicht klingt das alles zunächst ziemlich unsexy. Schließlich willst du einen Friseursalon führen und kein Musikrecht studieren.

Musst du auch nicht.

Aber als Unternehmer solltest du wissen, dass nicht alles, was technisch möglich ist, automatisch auch geschäftlich erlaubt ist.

Und genau deshalb gehört für uns auch dieses Thema zu professionellem Social Media.

Nicht einfach:

Trend gesehen. Song drauf. Posten.

Sondern: Verstehen, was wir tun. Risiken kennen. Und dann entscheiden.

Denn Social Media soll deinem Salon Sichtbarkeit, Vertrauen und im besten Fall neue Kunden bringen.

Keine Probleme, die mit einem einzigen Song vermeidbar gewesen wären.

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